Ein Zeitzeuge ist eine Person, die geschichtliche Ereignisse oder eine bestimmte Epoche bewusst miterlebt hat und aus eigener Erfahrung darüber berichten kann. Zeitzeugen machen vergangene Ereignisse durch persönliche Erinnerungen lebendig.
Die Kindheitserinnerungen von René Kaufmann, der 1937 als Sohn eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter in Belgien geboren wurde – seine Eltern flüchteten 1934 aus Nazi-Deutschland ins benachbarte Belgien, das 1940 von Deutschland überfallen und besetzt wurde – machten uns alle sehr betroffen und fassungslos.
Was Schulbücher, (Lehrer)Vorträge und selbst historische Filmaufnahmen oft nur schwerlich vermitteln können, gelang René Kaufmann in beeindruckender Weise. Aufgezeigt an seiner eigenen Lebensgeschichte/der Geschichte seiner Familie konnten Schüler und Lehrkräfte einen Eindruck von den damaligen Geschehnissen gewinnen. Das gesamte Ausmaß der Ungerechtigkeiten/der Grausamkeiten/des Leids der damaligen Zeit erschließt sich wohl nur den unmittelbar Betroffenen – mit René Kaufmann hatten wir einen Zeitzeugen an der Schule, der uns ein Stück weit mitnahm und uns teilhaben ließ an seinem ganz persönlichen Schicksal, einem Schicksal, das alle Zuhörer sehr betroffen und nachdenklich machte.
René Kaufmann spannte aber auch einen weiten Bogen von der NS- bis in die Jetztzeit – er nahm dabei klar Stellung zur aktuellen Weltpolitik, dem Erstarken rechtsextremer politischer Kräfte weltweit, dem Anstieg antisemitischer Straftaten in Deutschland und auch dem Israel-Palästina-Konflikt. Lehrer und Schüler hingen an den Lippen des Referenten, so fesselnd und so überzeugend nahm er seine Zuhörer – Schüler aus den achten, neunten und zehnten Klassen sowie zahlreiche Lehrkräfte – mit auf seine ganz eigene Lebensreise.

Der Besuch von René Kaufmann war für die Schüler und Lehrer, die in unserer neuen Schülerbücherei seinen Ausführungen lauschen durften etwas ganz besonders Wertvolles. Ein Zeitzeugenbesuch, wie es ihn in wenigen Jahren wohl nicht mehr geben wird.
(Ade Geier)
