Stephanie Lunkewitz liest in der Schülerbücherei der Mittelschule vor den 6. Klassen.
Zwölf Jahre war die heute 94-jährige Eva Szepesi (geborene Eva Diamant) alt, als sie aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde. Außer ihrem Leben hatte sie 1945 nichts mehr. Ihr geliebter blauer Mantel, ihre langen Zöpfe, ihre Heimat in Budapest, ihre Familie, selbst ihr Name wurde ihr genommen. Stattdessen trug sie die Nummer A26877 als Tattoo auf dem Unterarm.


Die Kinderbuchautorin und Illustratorin Stephanie Lunkewitz bereitete gemeinsam mit Eva Szepesi die Geschichte in jahrelanger Arbeit als Kinderbuch auf. Eva selbst war es wichtig, ihre Geschichte ausgerechnet in Form eines Kinderbuches zu erzählen, denn ihr wurde ihre eigene Kindheit damals genommen.

Frau Lunkewitz fesselte in ihrer ruhigen Art. Mucksmäuschenstill verfolgten die Kids ihre Ausführungen und selbst der Pausengong ging im gebannten Zuhören unbeachtet unter. Ja, die Schülerinnen und Schüler kämpften mit dem harten Stoff und waren tief bewegt. Es wundert nicht, dass diese Emotionen auch in den nächsten Tagen den Unterricht mitbestimmten. Dort musste Platz sein, die ergreifende und erschütternde Geschichte von Eva Diamant zu verarbeiten. Einige Schülerinnen und Schüler verfassten mitfühlende Briefe an Eva Szepesi und deutlich spürte man bei der Lesung und im Nachklang: Ja, Evas Geschichte wollen wir weitererzählen und ihr Buch lesen – gegen das Vergessen.
